Regionalliga Nord vor dem Auswärtsspiel
VfB Lübeck vor Auswärtsspiel beim HSC Hannover: Capretti erwartet „heißen Kampf“ trotz gesichertem Klassenerhalt
Der VfB Lübeck hat den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord bereits sicher. Trotzdem warnt Cheftrainer Guerino Capretti vor einem intensiven Auswärtsspiel beim abstiegsbedrohten Aufsteiger HSC Hannover. Anstoß ist heute um 15 Uhr.
Unterschiedliche Ausgangslage – und genau darin liegt die Gefahr
Für Lübeck geht es sportlich nicht mehr um das nackte Überleben in der Liga, sondern um einen sauberen Saisonabschluss. Beim HSC Hannover ist die Lage dagegen zugespitzt: Als Aufsteiger steckt der Klub im Abstiegskampf, jeder Punkt zählt im Kampf gegen den direkten Wiederabstieg.
Capretti leitet daraus einen anderen Spielcharakter ab als in Partien ohne existenziellen Druck auf der Gegenseite – und fordert von seinem Team, sich nicht von der Emotionalität anstecken zu lassen. Er sagt: „Das wird ein ganz anderes Spiel, es gibt andere Voraussetzungen. Der HSC ist mitten im Abstiegskampf, uns erwartet dementsprechend ein heißer Kampf. Es gilt einen kühlen Kopf zu bewahren, nicht hektisch zu werden, wir müssen die Intensität hochhalten, hinten auch die Ordnung behalten und die Partie auch seriös zu Ende spielen.“
Die Botschaft ist klar: Der VfB will nicht „verwalten“, sondern konzentriert bleiben – gerade weil in solchen Spielen oft Kleinigkeiten entscheiden. Wenn der Gegner unter Zugzwang steht, werden Zweikämpfe härter, zweite Bälle wichtiger und Standardsituationen schnell zum Stimmungsbarometer. Genau dort kann eine kurze Unordnung reichen, um sich unnötig Probleme einzuhandeln.
Capretti sieht Qualität am Ball – und Ansatzpunkte gegen den Ball
In der inhaltlichen Vorbereitung hebt Capretti zwei Seiten des HSC hervor. Mit Ball traut er den Hannoveranern zu, Lösungen zu finden: „Das ist eine Mannschaft, die sich mit Ball wohlfühlt, die ein paar gute Kicker in den eigenen Reihen hat.“
Gleichzeitig formuliert er den Bereich, in dem Lübeck ansetzen soll: „Gegen den Ball, da liegt unsere Chance, da haben sie schon das eine oder andere Problem. Das müssen wir ausnutzen.“
Das ist mehr als ein allgemeiner Hinweis. Es zielt auf Spielphasen, in denen der VfB den Gegner zu defensiven Entscheidungen zwingt: Pressingmomente, Umschaltaktionen, klare Läufe nach Ballgewinnen. Gerade gegen Teams, die im Abstiegskampf stehen, kann ein strukturierter, wiederholbarer Plan wichtig sein – weil die Intensität hoch ist, die Geduld aber oft brüchig wird, wenn erste Aktionen nicht gelingen.
Erinnerung an das Hinspiel: Führung reicht nicht, Disziplin ist ein Faktor
Als Warnsignal dient das Hinspiel an der Lohmühle. Lübeck führte zur Pause, verlor am Ende jedoch noch mit 1:2. Capretti erinnert sich zudem an einen außergewöhnlich hektischen Verlauf: „Wir haben das Spiel verloren, ich kann mich daran erinnern, dass das ein ganz wildes war, mit drei Platzverweisen.“
Für das Rückspiel ist das ein doppelter Hinweis: Erstens kann das Spiel kippen, auch wenn Lübeck zwischenzeitlich Kontrolle hat. Zweitens kann das Spiel emotional werden – und damit zu einer Disziplin- und Strukturfrage. In genau solchen Partien, in denen der Gegner „muss“ und der eigene Druck geringer wirkt, wird die professionelle Haltung zum entscheidenden Qualitätsmerkmal.
Schlüssel für Lübeck: guter Start – und Konzentration bis zum Abpfiff
Capretti wünscht sich eine starke Anfangsphase und vor allem Konstanz über 90 Minuten: „Ich wünsche mir da eine Anfangsphase wie in Jeddeloh, aber auch Konstanz und Fokus über die volle Spielzeit.“
Damit verbindet er Tempo und Intensität mit einem klaren Kontrollanspruch. Ein guter Beginn kann helfen, ein Abstiegsduell-Gefühl früh zu dämpfen – vorausgesetzt, Lübeck bleibt auch danach stabil, verteidigt seriös und lässt sich nicht in Hektik treiben.
Unterm Strich ist die Ausgangslage komfortabel, die Aufgabe aber anspruchsvoll: Lübeck spielt ohne Abstiegsdruck – doch genau das darf nicht zu Nachlässigkeit führen. Capretti setzt auf kühlen Kopf, Ordnung und ein konsequent zu Ende gespieltes Spiel.

